Kompetenz

Äußerst selten ist ein einzelner schwerwiegender Fehler oder ein bestimmtes Ereignis der Grund dafür, dass ein gesundes Unternehmen in die Insolvenz und damit unter fremde Leitung, z.B. eines gerichtlich bestellten Masseverwalters gerät. Die gesetzlichen Sanierungsinstrumentarien bieten hier jedoch vorrangig nur die Möglichkeit, die Wettbewerbsfähigkeit durch entsprechenden Schuldennachlass kurzfristig wieder herzustellen. Betriebswirtschaftliche, marktpolitische oder sonstige Sanierungsmassnahmen sollten demnach dem Unternehmer außerhalb der gesetzlichen Verfahren vorbehalten bleiben. (vgl. Bertl/Mandl/Mandl/Ruppe-Isola, 1998, S. 30)

In der Praxis aber werden heute Unternehmen, welche im Rahmen eines Konkursverfahrens abgewickelt werden, durch den Masseverwalter liquidiert, zerschlagen oder bestenfalls daraus Unternehmensteile verkauft. Dieser Umstand hat zur Folge, dass bei jedem Konkurs wertvolles Kapital sowie die noch vorhandenen Unternehmenswerte vernichtet werden – und leider nicht nur Werte der insolventen Unternehmungen, sondern dies betrifft häufig auch viele mit dem insolventen Unternehmen in Geschäftsbeziehung stehende Unternehmen.

 

Insolvenzen sind heute aus unserer marktwirtschaftlichen Ordnung nicht mehr wegzudenken und tragen sehr wohl auch zur Gesundung unserer Wirtschaft bei.

 

Der Autor Stephan Hesselmann, Verfasser einschlägiger Fachliteratur zum Thema, stellt hierzu fest: „Nur ein funktionsfähiger Ausleseprozess garantiert eine ökonomisch vernünftige Dezentralisierung von gesamtwirtschaftlichen Risiken“. (Hesselmann, S.,1990, S. 1) In welchem Ausmaß gewisse Insolvenzhäufigkeiten demnach zu erwarten und für die Volkswirtschaft folglich nicht abträglich sind, konnte allerdings bisher noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. (Vgl. Hierzenberger, K., 1994 S. 258)

 

Angesichts der heutigen Insolvenzstatistiken drängt sich aber in jedem Fall die Frage auf, ob nicht zumindest ein Teil der von der Insolvenz betroffenen Betriebe hätte erhalten werden können. Dabei muss man jedoch auch bemerken, dass in den Insolvenzstatistiken eben nur die Fälle berücksichtigt sind, bei denen eine Sanierung überhaupt nicht versucht wurde bzw. ein Sanierungsversuch fehlgeschlagen ist, sie geben aber keinen Aufschluss über gelungene Unternehmenssanierungen.

 

So wurde mit dem zweiten, 1997 beschlossenen Insolvenzrechtsänderungsgesetz (IRÄG) dieser Problematik im Besonderen entsprochen; mit der Einführung einer sogenannten Prüfphase im Konkursverfahren wird die Sanierung insolventer Unternehmen faktisch vorgeschrieben[1] es sei denn, diese wäre mit einer weiteren Erhöhung der Ausfälle für die Gläubiger verbunden. In der Folge wurden besonders in Bezug auf die Insolvenzprophylaxe mit dem IRÄG 1997 weitere gesetzliche Vorverfahren wie das Unternehmensreorganisationsgesetz (URG) eingesetzt. Auf gesellschaftsrechtlicher Ebene besteht ohnehin seitens der Organschaft gem. § 43 GmbHG und § 93 AktG eine Verpflichtung, sofern eine Sanierungsfähigkeit betriebswirtschaftlich abgesichert ist, alle Möglichkeiten einer Unternehmenssanierung sowohl leistungs- wie auch finanzwirtschaftlich auszuschöpfen. Letztlich ist gem. § 201 Abs. 2Z2 HGB jeder Vollkaufmann im Rahmen der Erstellung des jährlichen Abschlusses verpflichtet zu prüfen, ob von einer Fortführung des Unternehmens ausgegangen werden kann.

 


Unsere Kernkompetenz ist die Sanierung und Neustrukturierung von Unternehmen in der Krise durch ein werteorientiertes Krisenmanagement und nicht nur die kurzfristige, heute in der Sanierungsberatung übliche Praxis, Sanierung durch Schuldenbereinigung oder Zerschlagung eines Unternehmens unter dem Gesichtspunkt einer maximalen Vermögenswerterealisierung! 


Unter der Bezeichnung „werteorientiertes Krisenmanagement“ sind im Weiteren all jene Maßnahmen zu verstehen, welche dazu beitragen, um eine akute Krisenlage eines Unternehmens zu erkennen, zu überwinden und durch Ursachenanalyse und darauf abgestimmte strategische Neuausrichtung eine gesicherte Ertragssituation für die Zukunft zu schaffen, um Unternehmenswerte langfristig für unsere Volkswirtschaft zu erhalten. Ein werteorientiertes Krisenmanagement hat als wichtigste Aufgabe, verfahrene Unternehmenssituationen schnell zu erkennen und mit einfachen Mitteln gegenzusteuern, vorhandene Ressourcen aufzudecken und betriebswirtschaftliche Instrumentarien aufzubauen, um das Unternehmen langfristig wieder konkurrenzfähig am Markt zu positionieren. Eine erfolgreiche, professionelle Sanierung soll in der Folge ebenfalls einem Unternehmen, insbesondere dem Management, ermöglichen, künftige Krisen früher zu erkennen und besser zu bestehen.


[1] In der Regierungsvorlage vom 10. Juni 1997 wird dazu wie folgt Stellung genommen: „Im Zusammenhang mit der nach wie vor steigenden Anzahl von Insolvenzen und den erforderlichen Strukturanpassungen haben sich die gesetzlichen Bestimmungen zur Verhinderung von Insolvenzen und zu deren Durchführung als ergänzungs- und verbesserungsbedürftig erwiesen. Mit dem Ziel: Durch den Entwurf sollen Unternehmensinsolvenzen vermieden und im Falle des Eintritts der Insolvenz auch noch in diesem Stadium Sanierungsmöglichkeiten geboten werden.“